Altes Tagebuch eines Sterndeuters

Note · 40 GM · Gewicht 2

"Tag 1 Ich, Beryg, werde von heute an dieses Tagebuch als Chronik unserer heiligen Mission führen. Wir haben für unsere Aufgabe unsere Liebsten verlassen, die sich in diesen Zeiten so verzweifelt nach Trost und Schutz sehnen, und sind unserer Mentorin Eliandra in Puluras Tempel gefolgt. Hier werden wir, von der Welt der Sterblichen abgeschnitten, unseren Dienst mit dem Segen der Schimmernden Jungfrau fortsetzen. Obwohl der faulige Qualm aus der Dämonengrube den Himmel verdunkelt, enthüllt uns Pulura die Sterne, die uns den Weg weisen werden! Tag 24 Wir setzen unser heiliges Werk im Namen der erlauchten Pulura fort. Die Verzauberungen, die uns schützen, sind makellos – die Dämonen außerhalb der Mauern unserer Zuflucht ahnen nicht einmal etwas von ihrer Existenz. Ich mache mir Mut, indem ich zu Pulura bete und sie um eine rasche Erlösung von den Horden des Bösen bitte, die über unser Land hergefallen sind. Wir müssen nur unsere Kräfte sammeln und darauf warten, dass die tapferen Krieger die unheiligen Bestien wieder zurück in den Abyss werfen. Ich glaube fest daran, dass dieser Tag nah ist! Tag 105 Heute ist ein großer Tag – meine Brüder haben eine weitere Karte des Nordhimmels fertiggestellt! Wenn ich den anderen in die Augen blicke, sehe ich in ihnen manchmal Besorgnis über das, was außerhalb der Tempelmauern geschieht, und auch ich spüre, wie sich Zweifel in mein Herz schleichen. Schon im nächsten Moment schäme ich mich allerdings für meine Willensschwäche. Heute ist ein guter Tag, den ich mir nicht von trüben Gedanken verderben lasse! Tag 258 Schwester Eliandras Gebete wurden erhört – wir erhielten Besuch von einem Boten Puluras! Leider brachte das Himmelswesen schlechte Nachrichten: Unsere Heimat versinkt in Flammen und Dämonenbrut, die Städte brennen, und die Leute laufen um ihr Leben. Der Riss in der materiellen Ebene wurde noch nicht geschlossen – im Gegenteil, er spuckt stündlich weitere Legionen des Abyss aus. Das Himmelswesen hat uns zwar wieder verlassen, jedoch nicht, ohne uns zuvor zu versichern, dass man uns nicht vergessen hat und unser Dienst nicht umsonst ist. Wir müssen unsere Herzen stählen und unsere Suche zwischen den Sternen fortsetzen. Je schneller unsere Arbeit vollbracht ist, desto schneller kann Sarkoris auf Rettung hoffen! Tag 457 Wir haben heute den halben Tag mit der Suche nach Bruder Areed verbracht. Eliandra selbst hat ihn schließlich hinter dem Pulura-Altar gefunden. Er saß weinend auf dem Boden und hielt seine Knie eng umschlungen. Ich hatte befürchtet, sie würde ihn für seine tückische Willensschwäche schelten, die auch den Geist der anderen vergiften könnte, doch meine Sorge war unbegründet. Eliandra und Areed verbrachten zwei Stunden im Gespräch, dessen Inhalt uns allen verborgen blieb, bevor sich unser Bruder schließlich wieder an die Arbeit machte – er war zwar noch immer betrübt, hielt den Kopf aber wieder ein wenig höher. Ich verneige mich vor der Weisheit und inneren Stärke unserer Anführerin ... aber sehe ich nicht auch in ihren Augen einen Schatten derselben Verzweiflung, die schon vor langer Zeit einen Weg in unsere Herzen gefunden hat? Der Tag, an dem der Bote eintraf An dem Tag, an dem wir die Kartierung der östlichen Hemisphäre abgeschlossen hatten, wurde unsere Einsamkeit durchbrochen – diesmal von einem Boten Iomedaes. Ich verfluche mich für meine Neugier, die mich dazu trieb, mich jenen anzuschließen, die ihre Worte hören wollten. Die Schlacht um uns herum tobt weiter, doch niemand kämpft mehr für Sarkoris. Krieger aus irgendwelchen anderen Ländern kämpfen auf der Asche unseres Volkes gegen Dämonen. Sarkoris ist fort. Man nennt es jetzt die Weltenwunde. Ein weiterer Tag, nicht anders als so viele zuvor Ich kann die Tage nicht mehr auseinanderhalten – sie alle verschmelzen zu einem einzigen, endlosen grauen Band. Selbst Puluras Sternenlicht kann die Dunkelheit in meinem Herzen nicht mehr vertreiben. Unser Dienst hier war umsonst. Es gibt nichts mehr, wohin wir zurückkehren könnten. Alles, was mir noch bleibt, ist, hier tagein, tagaus zu darben und meine Pflicht gegenüber meinen Brüdern und Schwestern zu erfüllen. Und so plage ich mich hier ohne auch nur einen Moment der Ruhe weiter ab, und das alles im Namen unserer geheiligten und – Pulura möge mir vergeben – sinnlosen Pflicht. Wenigstens muss ich jetzt dieses elende Tagebuch nicht mehr weiterführen."

Altes Tagebuch eines Sterndeuters — Gegenstände — Pathfinder: WotR Database