"Barmherzige Schwester. Memoiren aus dem zweiten Kreuzzug"

Note · 55 GM · Gewicht 2

Von Nillen Malkister Magnimar, Silberbank-Verlag für spirituelle Literatur "Wir sind wieder hier versammelt, um das übliche Abendgebet in der Feldkapelle zu begehen – alle gemeinsam, unsere Meinungsverschiedenheiten legen wir beiseite ... oder besser, wir tun höflich so, als hätten wir sie vergessen. Pfeilscharfe Blicke schießen durch das Zelt. Die Diener von Sarenrae mustern misstrauisch die Diener von Asmodeus. Die Priester von Gorum, die in blutbefleckter Rüstung zum Gebet erscheinen, haben ihre Missbilligung von Personen wie mir, die nicht immer in die vorderste Linie der Schlacht stürmen, gar nicht erst verborgen ... aber was soll ich tun, wenn meinen schwachen, weichen Händen Sanftmut gelehrt wurde, nicht Gewalt? Ich sehe den Blick einer Priesterin von Shelyn – zimperlich, mit Sicherheit mitfühlend und voller affektierter Arroganz. Sie würde sich niemals dazu herablassen, das für unsere Kämpfer zu tun, was ich tue. Aber ich kenne keinen höheren Dienst. Einige Glaubensgenossen haben mir gesagt, wir müssten in Kriegszeiten die sanfte Seite des Lustvollen Stachels vergessen und uns gänzlich ihrem Bild als große Bestraferin zuwenden, weil auf dem Schlachtfeld kein Platz für Liebe sei. Das sehe ich anders. Hier wollen alle bestrafen – aber wer außer uns bringt Liebe? Wir knien nieder, und ich bete zum Unlöschbaren Feuer. Herrin! Nimm meine Augen, denn sie können nicht länger die Schrecken des Krieges schauen, nicht mehr sehen, wie schöne Körper gebrochen und zerrissen werden. Sie können nicht länger um Verbündete, Freunde und Geliebte weinen. Und die Göttin antwortet: Mein Kind, deine Augen sind ein unbezahlbarer Schatz. Wie ein Leuchtturm die Schiffe im Sturm sicher an Land bringt, so geleitet auch das Licht in deinen Augen Helden aus dem blutigen Sturm der Schlacht zurück. Und ich bete: Herrin! Nähe meine Lippen zu, denn ich kann nicht länger die Haut küssen, von der ich weiß, dass sie zur Dämmerung aufgeschnitten, zerbissen und abgezogen sein wird. Und die Göttin antwortet: Mein Kind, deine Lippen sind stärker als ein Schwert und fester als eine Rüstung. Das Flüstern deines Gebets verleiht den Kämpfern Stärke und trägt Flammen zu den Dämonen. Das Flüstern deines Gebets heilt zerschundene Haut, auf dass du sie wieder küssen kannst. Und ich bete: Herrin! Brenne mein Herz aus! Lass es Frieden finden in der teilnahmslosen Asche, denn es erträgt den Schmerz nicht länger. Und die Göttin antwortet: Mein geliebtes Kind! Dieser Schmerz wird verursacht durch das Feuer, das in deinem Herzen brennt. Ein Feuer so hell, dass alle in seiner Nähe durch seine heilende Wärme Trost finden. Wage es nicht, zu Asche zu werden, sondern trage diese Hitze zur Schwelle meiner Gemächer, denn dort wirst du am Ende Frieden finden."

"Barmherzige Schwester. Memoiren aus dem zweiten Kreuzzug" — Gegenstände — Pathfinder: WotR Database