"Das varisische Grauen"
Note · 55 GM · Gewicht 2
"Es regnete in Strömen, als sie den Friedhofshügel erreichten. Trotz des Wetters und der schwachen Proteste des Priesters kam es Regor jedoch nicht in den Sinn, kehrtzumachen. Wenn er mit seinem Verdacht recht hatte, musste dem Bösen, das sich vor so vielen Jahren in dem Dorf niedergelassen hatte, schnellstmöglich Einhalt geboten werden. Der örtliche Priester, den Regor und Moghra um Hilfe bei ihrer Aufgabe ersucht hatten, war beunruhigt darüber, dass die Fremden jemanden aus seiner Herde beschuldigten, und hatte sich deshalb entschieden, sie zu begleiten, um den Unschuldigen notfalls beschützen zu können. Während sie die verwitterten Stufen zu der alten Gruft auf der Spitze des Hügels hinaufstiegen, zog Regor leise sein Schwert und verbarg es unter seinem durchnässten Mantel. In dem Moment, in dem die beiden den als Opferaltar dienenden behauenen Stein erreichten, sah er den Totengräber, der ungeachtet der späten Stunde und des tosenden Sturms ein flaches Grab aushob. Ohne Regor auch nur die Zeit zu lassen, um ihn davon abzuhalten, ging der Priester, getrieben von dem Wunsch, den Einsiedler von jeglichem Verdacht zu befreien, geradewegs auf den massigen, missgestalteten Mann zu. Der Totengräber wandte den Kopf und reagierte beim Anblick von Regor und Moghra augenblicklich und deutlich schneller, als es jemandem von seiner Größe möglich sein dürfte. Er sprang nach vorne, wobei seine Schaufel die kalte Herbstluft durchschnitt, bevor sie auf den Kopf des Priesters traf. Schädelstücke und blutige Fetzen flogen durch die Luft, während sich der Totengräber mit einem unverständlichen Brüllen auf die Fremden stürzte. Moghra, die bereits die Hände erhoben hatte, erstarrte vor Entsetzen: Der klaffende Mund des Totengräbers war von Dutzenden Reihen scharfer, nadelgleicher Zähne gesäumt, und ein wilder Strom blasphemischer Abscheulichkeiten in einer andersweltlichen Sprache drang auf den geschwächten Geist der Zauberin ein. Regor hingegen hatte die Fassung bewahrt: Er warf sich zur Seite und schlug auf den massigen Körper ein, als würde er eine verfaulte, aufgeblähte Frucht aufschlitzen. Mit einem feuchten Schmatzen brachen Hals und Brust des Totengräbers auf, sodass den Augen der Sterblichen die wahre Gestalt der Bestie offenbart wurde – die eines widerwärtigen Wurms, dessen ekelerregender Körper sich aus seiner nun nutzlos gewordenen menschlichen Hülle wand. Der Friedhofswärter war ein widerwärtiger Vermlek-Dämon, erschaffen aus den Seelen verachtenswerten Abschaums, der zu Lebzeiten Gräber geschändet und die Ruhe der Verstorbenen auf niederträchtigste Weise gestört hatte. Wenn sie sich aus den Tiefen des Abyss erheben und in Golarion einfallen, werden er und seinesgleichen stets von Orten angezogen, die den Geist und die Fantasie ihrer Vorläufer angeregt hatten ..."