Ein Brief aus Drezen

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"Lady Galfrey, Drezen ist gefallen. Die Stadt ist verloren, und Ihr sollt verdammt sein. Ihr sollt verdammt sein, weil Ihr uns hergeschickt habt. Weil Ihr uns nicht gesagt habt, dass das schlimmste Schicksal nicht der Tod ist. Weil Ihr uns den Schutz Eures 'heiligen Banners' versprochen habt, es uns aber nicht vor den Monstern gerettet hat. Weil Ihr nicht bei uns seid. Wo wart Ihr, als jener Trupp von Lächelnden Rittern starb und nicht um Gnade winselte, sondern die jämmerliche, kleine Straße hielt, die zum Tempel führt? Wo wart Ihr, als unser Blut die Gosse füllte und sich mit dem Abwasser vermengte? Wo wart Ihr, als unser Wille und unser Kampfgeist gebrochen, zerschlagen und wimmernd wie ein Hafenweib zurückgelassen wurden? Euer Thron steht auf den Leichen naiver Narren und ruhmsüchtiger Abenteurer. Diese Erkenntnis überkam mich, als die Dämonen Kommandant Verstol auf den Platz schleiften, ihn in die Heilquelle von Sarenrae warfen – und dann darunter ein Feuer entzündeten. Der Kommandant wurde drei Tage lang bei lebendigem Leib gekocht, weil Sarenraes vormaliger Segen grausam verhinderte, dass er sterben durfte. Seine Haut war übersät mit Blasen und löste sich vom Fleisch. Wir standen auf dem Platz und sahen zu, und der kalte Wind peinigte unsere eigenen nackten Körper. Unser Blut strömt aus unseren Wunden, als wolle es diesem schrecklichen Ort entfliehen. Ohne Wasser reißen unsere Kehlen auf und bluten. Ohne Nahrung vertrocknen unsere Mägen und schrumpfen. Drei Tage lang konnte der Kommandant nicht sterben. Sein Fleisch wurde grau und roch fabelhaft. Ich hasste mich dafür, es probieren zu wollen. Zur ersten Mitternacht hörte Kommandant Verstol auf, zu schreien. Zur Morgendämmerung konnte er nur noch grunzen. Am dritten Morgen weinte dieser strenge Mann, der für sich und seine Feinde keine Gnade kannte, wie ein kleines Kind. Seine Tränen kamen unaufhörlich. Er kochte buchstäblich in ihnen! Schließlich versiegte die Quelle, und er starb. Die neue Herrscherin von Drezen, die Dämonin Minagho, labte sich an seinem Fleisch. Aber sie war nicht gierig. Jeder von uns Gefangenen, fast zu Tode geplagt von Hunger, erhielt ein Stück des Kommandanten. Wisst Ihr, wie jemand riecht, der drei Tage lang bei lebendigem Leib gekocht wurde, Galfrey? Dies zu schreiben, bereitet mir große Pein. Irgendein schreckliches Insekt hat mir während der Schlacht in die Hand gestochen. Jetzt ist sie zu doppelter Größe angeschwollen und hat die Farbe rohen Rindfleisches. Die Haut wird in Kürze aufplatzen. Die Hitze lässt mich schmelzen, Körper wie Seele. Aber ich werde diesen Brief beenden, damit Ihr alles wisst. Denn in alldem wird zumindest ein Tropfen Gerechtigkeit liegen, falls Ihr begreift, was uns durch Eure Schuld widerfahren ist. Wenn ich mit dem Schreiben fertig bin, wird Euch der Dämon den Brief schicken – mit der letzten der verzauberten Tauben, die Ihr Kommandant Verstol gegeben habt. Die anderen wurden gegessen. Dieser Brief wird mir eine Chance gewähren. Ich werde zu ihren Füßen kriechen und um Gnade flehen. Ich werde jeden Schwur leisten. Denn ich ertrage es nicht länger. Genug ist genug. Und Ihr sollt verdammt sein. Nicht mehr Euer treuer Diener, Ritter Jermon"

Ein Brief aus Drezen — Gegenstände — Pathfinder: WotR Database