"Geschichten aus Geistermund: Der Ritter mit den geplagten Händen"; Kenabres-Medium-Allianz-Verlag

Item · 65 GM · Gewicht 2

"Der Dämon stellt zwei Teller vor mir auf den Tisch. Auf jedem liegt ein blutendes Herz. 'Sieh', sagt er. 'Das rechte gehört einem edlen und aufrechten Mann, einem loyalen Diener von Iomedae. Das linke ist das Herz eines Mörders und Schurken. Doch etwas sagt mir, dass beide genau gleich schmecken.' Ich schweige und bewege mich nicht. Ich könnte es auch gar nicht. Eine meiner Hände wird durch ein Messer, das sie bis zum Griff durchbohrt, gegen die breite Armlehne gepresst. Die andere verharrt in nämlicher Weise hilflos auf dem Tisch. Der Dämon kräuselt bedachtsam eine Locke, die an meiner Stirn klebt, und wischt sie fort. 'Dein Schweigen macht mich traurig.' 'Vergeude deine Zeit nicht mit diesem Schauspiel, Monster', sage ich, obschon mir kaum genug Energie zum Atmen bleibt. 'Wenn du mich foltern willst, nur zu. Wenn du mich töten willst, so töte mich. Mein Leben liegt in deinen Händen. Aber meine Seele nicht, und nichts wird das je ändern.' Die Herzen auf den Tellern vor mir sondern weiterhin Blut ab. Sie wurden gerade erst aus den Körpern ihrer Besitzer gerissen. Das rechte gehörte offensichtlich meinem Gefährten, das linke dem Verbrecher, den wir eskortierten. Aber der Dämon, der sich in der alten Mühle niedergelassen hatte, tötete ohne jede Unterscheidung. Er geht um den Sessel herum, hält hinter meinem Rücken inne und legt mir eine Klauenhand auf die Schulter. 'Das hier ist alles andere als ein Schauspiel. Es ist ein Festmahl, und es wird mich sättigen. Nein, nicht damit.' Er sieht meinen Blick auf den Herzen ruhen. 'Mit dir. Dein Herz habe ich jetzt genau vor mir. Völlig hilflos ...' Die Klaue auf meiner Schulter verstärkt ihren Griff ein wenig. Göttin, lass es mich ertragen! Nach einer kurzen Pause fährt der Dämon fort. 'Weißt du, was ihr übereifrigen Diener des Gesetzes und des Guten nicht begreift?' Offenbar mag er den Klang seiner eigenen Stimme. 'Dass ihr es wart, die uns in euer Land gebracht habt. Je mehr von euch sich hier am Rande der Weltenwunde versammeln – so tapfer und voller rechtschaffenem Zorn –, desto mehr von Meinesgleichen kommen aus dem Abyss empor. Der Grund ist nicht, dass wir einen Krieg gewinnen und eure Welt erobern wollen. Unsere Fürsten vielleicht schon, aber glaube mir, sie sind ebenso weit von ihren Untertanen entfernt wie eure Fürsten und Könige von euch. Nein, wir wollen solche wie dich. Die Beharrlichen und Stolzen, die erst ganz am Ende zerbrechen. Denn deren Leid ist süß und dauert und dauert an. Wir wollen die Süßen.' Er tritt wieder in mein Blickfeld und leckt sich die Lippen. Ich weiß wohl, dass er mir keinen raschen Tod gewähren wird."

"Geschichten aus Geistermund: Der Ritter mit den geplagten Händen"; Kenabres-Medium-Allianz-Verlag — Gegenstände — Pathfinder: WotR Database