"Legenden aus dunklen Nächten" von Mathias Urd
Note · 40 GM · Gewicht 2
Das einst prächtig gebundene Buch befindet sich nun in einem bemitleidenswerten Zustand – Der Rücken ist zerrissen, das Deckblatt verbrannt, und die Seiten wurden entweder beschmiert oder herausgerissen. Eine der Legenden aus den verbliebenen Seiten ist voller Notizen, und vieles ist durchgestrichen. "Es heißt, in vergangenen Zeiten habe einmal eine blinde Sterbliche gelebt. Von Geburt an des Tageslichts beraubt, ohne dass sie je die wahre Welt um sie herum erblickt hatte, verlor sie schon in jungen Jahren den Verstand und entwickelte eine seltsame Leidenschaft für Dinge, die andere mieden wie die Pest. Mehr als alle anderen Vergnügungen und Freuden dieser Welt schätzte sie den Tod, denn ..." Der Rest der Zeile ist ausradiert, und darunter steht handschriftlich: "... die dumme Frau hat nie einen Sukkubus getroffen." "Trotz ihres grausamen Schicksals war die Frau, die Aschedame genannt wurde, eine gütige und großherzige Seele – vor allem gegenüber jenen, die sie mochte. Ihnen gab sie das wertvollste Geschenk, das sie sich vorstellen konnte – den Tod. Das kunstvollste und schönste Ende, das sie bereiten konnte, war der Aschetod ..." Die Seite ist zerrissen, aber an der Kante kannst du noch einen handschriftlichen Kommentar entziffern: "Amateurin!" "Viele Sterbliche wurden von der Aschedame an einen besseren Ort geschickt, denn sie beherrschte ihr Handwerk meisterhaft. Vermeintlich schwach und hilflos, weckte sie bei denen, die sie mochte, Fürsorge und Mitleid, und diesen Gefühlen folgte dann stets ein rascher Tod. Niemand konnte glauben, dass eine blinde Frau zu derartiger Arglist und Heimtücke fähig war, wie sie die Aschedame an den Tag legte. Nur wer durch ihre Hand sterben musste, erfuhr ihr Geheimnis – sie markierte ihre Opfer mit einem Fluch und folgte dann dessen Geruch wie ein unermüdlicher Jagdhund." Auch hier bemerkst du ein kurzes, dazugekritzeltes Wort: "Geschwätz." "Die Aschedame hätte ihren Freunden und Lieben noch viel mehr Leid gebracht, wenn ihre Sünden sich nicht eines Tages gerächt hätten. Als Baphomets Kultisten hörten, dass eine raffinierte Mörderin ihre eigenen Untaten in den Schatten stellte, entledigten sie sich der Rivalin – sie nahmen sie gefangen und verschleppten sie in den Abyss." Handschriftlich steht noch auf der Seite: "Geschieht ihr recht! Soll die Hexe in unseren Zellen verrotten!"