Über die Kunst der Belagerung
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Eine Abhandlung, verfasst von dem hochwohlgeborenen und mächtigen Herrscher, Seiner Exzellenz, dem geschätzten Grafen Bartolo Mezinas Königliches Verlagshaus Westkrone. Freigegeben von den Zensoren von Cheliax. Darunter prangt ein roter Stempel: "VERBOTEN von den Zensoren von Mendev." "Von Zeit zu Zeit betritt ein Politiker die Bühne, der mit Kriegsführung nicht vertraut ist, sondern getrieben wird von fehlgeleiteter Menschlichkeit, und er verkündet einen absurden Gedanken – dass Kriege auf offenem Feld ausgetragen werden sollten, fernab von Städten, und auch nur zwischen Berufsarmeen, um Verluste bei den sogenannten 'Nicht-Kombattanten' zu verhindern, selbst wenn sie auf der Seite des Feindes stehen. Die Unterstützer dieses lächerlichen Irrglaubens verwechseln den Krieg offenkundig mit einem Turnier, bei dem Kämpfer in Scheingefechten aufeinanderprallen und ihre Schwerter lautstark gegen Schilde führen, um nur ja keinen Hieb in den Bauch oder gegen den Kopf zu landen, da dieser unabsichtlich zum Tode führen könnte – mit anderen Worten, um zu vermeiden, was in jedem echten Kampf ihr erklärtes Ziel wäre. Doch anders als bei Scheingefechten handelt es sich bei einem echten Krieg um eine Fortführung von Politik, bei der eine Gruppe durch Gewaltanwendung die Herrschaft über eine andere anstrebt. Und da Macht der Ursprung aller Moral ist, versteht es sich von selbst, dass die Grenzen durch moralische Vorgaben, wie sie im Alltagsleben gelten, bei Machtkämpfen keine Gültigkeit haben können – denn diese Vorgaben legt im Anschluss der Sieger fest. Wer Fische fangen will, geht zum Fluss, und wen es nach Rotwild gelüstet, der geht in den Wald – in den natürlichen Lebensraum der Beute, wo sie sich ernährt, fortpflanzt und ausruht. Und wenn die Beute Menschen sein sollen, was wäre dann ein geeigneterer Ort als die Stadt? In der Stadt werden Gesetze verabschiedet, Geschäfte abgeschlossen, Abhandlungen verfasst und Lieder komponiert. Wer das Ziel verfolgt, eine feindliche Gesellschaft zu unterwerfen, der muss mit Angriffen auf ihre Städte beginnen, anstatt Zeit mit dem Herummanövrieren von Armeen zu vergeuden."