"Notizen eines reisenden Priesters: Ilthuliak" von Tyrin Dean

Note · 50 GM · Gewicht 2

"Stellt Euch Folgendes vor: Ein Mädchen (dessen Namen ich nicht preisgeben werde), kommt in die Stadt und kauft unverzüglich die teuerste Villa am Stadtrand. Dieser Neuankömmling spendet unvorstellbare Summen für wohltätige Zwecke. Sie lässt sogar auf ihre Kosten mehrere auf tragische Weise verendete Bürger wiederbeleben. Sie ist sehr jung. Ihre grobe Sprache und ihre ungeschliffenen Manieren deuten darauf hin, dass sie nicht von adliger Geburt ist. Die ganze Stadt fragt sich daher: Wie ist diese junge Dame in den Besitz eines solch gewaltigen Vermögens gekommen, und warum gibt es sie so bereitwillig aus? Diese Geheimnisse wurden mir offenbart, als ich in das Haus des geheimnisvollen Mädchens eingeladen wurde, weil meine Heilkräfte benötigt wurden. Die junge Dame offenbarte zögerlich etwas, was sie vor allen geheim gehalten hatte – schreckliche Säureverbrennungen. Sie schob allen Fragen einen Riegel vor, indem sie nur ein einziges Wort sprach: 'Ilthuliak.' Der Name der monströsen schwarzen Drachin war in den Flusskönigreichen wohlbekannt. Sie hatte jahrhundertelang in der Region gelebt, die Bewohner in Angst und Schrecken versetzt und Siedlungen geleert. Viele erfahrene Drachenjäger hatten versucht, ihr das Handwerk zu legen ... und alle starben. Niemand wusste, wo Ilthuliaks Versteck lag oder wo sie zunächst zuschlagen würde. Die Wunden, die Ilthuliaks Säureatem auf dem Körper meiner Patientin hinterlassen hatte, waren grauenhaft, doch ihre Seele war noch viel schlimmer verwundet worden. Das Mädchen und ihre Freunde hatten das Versteck der Drachin gefunden. Sie hätten Jäger versammeln können, um das Untier zu vernichten, doch sie behielten Stillschweigen, um Profit aus ihrem Wissen zu schlagen. Wenn die Herrin des Verstecks ausflog, trugen sie Stück für Stück Schätze hinaus. Ilthuliak vermutete, dass etwas vor sich ging, also legte sie den Dieben einen Hinterhalt und bestrafte sie grausam. Meine Patientin stellte sich tot. So konnte sie überleben, während die Drachin die Körper ihrer Freunde verschlang. Sie hatte bereits viel Gold beiseite geschafft, doch es war belastet von den Erinnerungen an zerstörte Städte und unzählige von Säure verbrannte Unschuldige. Das Mädchen konnte ihre Schuld nicht ertragen und versuchte für ihren blutigen Reichtum durch gute Taten Buße zu tun. Ich konnte ihre körperlichen Wunden heilen. Zum Abschied sagte sie mir, sie wolle den Rest ihres Reichtums nutzen, um eine Expedition zu Ilthuliaks Nest zu organisieren und das Untier zu töten. Kürzlich hörte ich das Gerücht, dass die Villa nun schon seit einiger Zeit leer steht. Vielleicht ist ihre Besitzerin einfach in ein anderes Land umgezogen, doch mein Herz sagt mir, dass ihre Knochen im Hort von Ilthuliak liegen – dem geflügelten Schrecken der Flusskönigreiche ..."

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