"Wie man aus dem Krieg gegen Dämonen Profit schlägt"
Note · 55 GM · Gewicht 2
"Mein Mentor und meine Ausbildungsgefährten hatten früher immer Mitleid mit mir. Meine Kraft reichte gerade mal aus, um einen niederen Imp herbeizuzaubern und festzuhalten. Würdet Ihr das echte Magie nennen? Ha! Aber das hält einen gewitzten Kerl wie mich nicht davon ab, sich einen Ruf aufzubauen und ein Vermögen zu machen. Es gibt eine besonders unangenehme Abart von Dämonen, die Abrikandili genannt wird. Sie entstehen aus den Seelen von Vandalen und Zerstörern von Kunst. In Dämonenform führen sie diese Beschäftigung fort. Wenn sie schöne Gemälde und Statuen erblicken, verfallen sie in Raserei und entweihen sie. Ich habe einmal auf der Straße ein Gespräch zwischen zwei Kunstsammlern belauscht. Sie konnten sich nicht entscheiden, ob sie einen jungen, vielversprechenden Künstler unterstützen sollten oder lieber einen berühmten Maestro, der aber seine besten Tage längst hinter sich hatte. Also machte ich ihnen eine Angebot: Wir stellen beide Gemälde nebeneinander, und ich beschwöre einen Abrikandilu. Das Bild, das er zuerst angreift, muss natürlicherweise das schönere sein. Wichtig war nur, den Dämon rechtzeitig zu bannen, bevor er das Gemälde zerstörte – aber das sollte kein Problem für mich sein! Die Sammler erklärten sich bereit, das 'Experiment' gemäß meines Planes durchzuführen. Das war der Beginn meines Vermächtnisses! Drei Monate später gab es keine Kunstveranstaltung mehr ohne mich und meinen dämonischen Diener. Wir wurden zu Vernissagen, Sachverständigenkursen und Auktionen eingeladen. Je zorniger der Dämon wurde, wenn er eine Schnitzerei oder einen hingeworfenen Farbfleck erblickte, desto höher stieg der Preis. Und ich wurde für mein 'Gutachten' großzügig entlohnt. Ich veranstaltete häufig 'Künstlerduelle', bei denen der Dämon entschied, welches von zwei Gemälden er am meisten verabscheute, und die Karten dafür gingen weg wie geschnitten Brot. Leider gab es dann einen unglücklichen Zwischenfall. Ein Gnom und eine Elf kamen aus Absalom zu mir, beides junge, noch blauäugige Künstler. Sie wollten eines der besagten Duelle bestreiten, allerdings nicht mit Gemälden, sondern mit recht merkwürdigen Skulpturen. Der Gnom hatte einen großen Haufen angebissener Äpfel dabei, die von einem Zauber konserviert wurden. Der Elf brachte eine Gießkanne ohne Löcher mit, die auf einem Karren mit nur einem, quadratischen Rad stand. Dies, so erklärten sie mir, sei 'moderne Kunst'. Sie sei, wie haben sie es formuliert ... 'unkonvential' oder so ähnlich! In Absalom sei das sehr beliebt, behaupteten sie, und sie seien dort berühmte 'unkonventiale Künstler'. Na ja, meine Aufgabe war simpel: ihre, äh, Arbeiten ausstellen, ein Publikum versammeln und dann meinen Dämon aus seinem Gefängnis lassen. Und genau das habe ich getan. Aber der Abrikandilu kam aus seinem Käfig, betrachtete erst die Äpfel und dann die Gießkanne mit dem Karren, sah mich an, als wäre ich ein kompletter Idiot, drehte sich um und ging mit einem Ausdruck tiefer Enttäuschung zurück in seinen Käfig. Das Ganze hätte sich fast zu einem internationalen Skandal ausgeweitet. Ich war so beschämt, dass ich dem Gnom und dem Elf das Geld für das Gutachten zurückgab. Aber das ist in Ordnung. Mein Geschäft gedeiht nach wie vor, auch ohne die Klientel aus Absalom. Und wo sind heute meine 'talentierteren' Mitlehrlinge? Eine Hälfte brütet immer noch über Büchern und lernt so viel wie möglich. Die andere Hälfte zog auf diese lächerlichen Kreuzzüge und verschwand. Sie alle haben nie bedacht, dass sich mit Dämonen Geld verdienen lässt, und das nicht zu knapp! Ich denke, ich werde mir in Kürze einen kleinen Palast kaufen. Und seine Wände mit den Werken der berühmtesten Künstler behängen, ha!"